Selfie im Bau

Live-Intervention


Ausgangslage / detailliertes Konzept

Drei Aspekte, die den Campus betreffen, sind mir bei der ersten Rekognoszierung aufgefallen und liegen diesem Projekt zugrunde:
. Merkmale der baulichen Struktur des Campus (grosse Allgemeinbereiche mit Treppen, die die Stockwerke verbinden) und Details der Möbilierung und Signaletik, persönliche Merkmale von Menschen, die hier tätig sind (z.B. Pflanzen, Material auf Arbeitstischen, Aufrufe und Anliegen auf der allgemeinen Infotafel)
. das hausinterne Mediensystem mit den Infomonitore im Eingangsbereich und auf den Stockwerken als Nucleus des Campus, das den persönlichen und den Arbeitsbereich verbindet (i-Phones sind omnipräsent und sozusagen Teil unseres Seins geworden)
. die Fundamente des Campus (in der Tiefgarage), die bis in die römische Zeit zurückgreifen und die Bauzeit mitbestimmt haben.
Diese Aspekte wollen in diesem Projekt seismografisch ausgelotet, in physische Präsenz gebracht und in Bildmaterial übersetzt werden.

Bewegungsmodus: Ich bewege mich langsam mit dem i-Phone in der rechten Hand durchs Gebäude. Ich halte das i-Phone (im Querformat) in der Hand und fotografiere und filme einerseits gegen meinen Körper (man sieht immer eine Körperkante) aber auch weg von mir.
Ich bewege mich auf den Oberflächen, passe meinen Körper den Strukturen des Hauses an, lasse mich von ihnen leiten. Der Bewegungsmodus wird durch die Gegebenheit in dieser Institution beeinflusst. Hierzu gehören vor allem auch die Menschen, die sich hier aufhalten oder auf Besuch sind. Für sie verbindet sich der Ort mit ihrem Arbeitsalltag oder hat mit diesem zu tun. Sie sind in ihrer eigenen je fokussierten Modalität unterwegs. Meine Performerin-Anwesenheit fügt sich in ihren Alltag ein; ich bewege mich meistens eher zurückhaltend den Strukturen der baulichen Einheit entlang, einer Vermesserin und Seismografin nicht unähnlich. Doch bricht meine Art des Fortbewegens und Fortkommens hier und da mit dem Alltag: ich bewege mich eher langsam und stockend, was mir erlaubt, subtile Informationen und Impulse, die der Ort auf einer unbewussten Ebene hervorbringt, aufzunehmen, in der Bewegung und in ihrem Verhalten umzusetzen. Auch beobachte ich die Menschen, die sich hier aufhalten. Aus meinem situativen Bewegungsfluss heraus können unkontrollierte, abrupte momentane Bewegungen entstehen, falle ich in unerwartete Positionen, in verdrehte Körperhaltungen und verweile auch schon darin. Diese Art des Bewegens verlangt eine kinästhetische Sensibilität, Fertigkeit und Körper-Beweglichkeit, die eher an den Tanz anlehnt. Ich flüchtet mich aber in keinen Stil. Denn ich muss gleichzeitig das i-Phone in der rechten Hand halten, und via Steady-Cam kontrollieren, weil ich immerfort fotografiert oder filme, wie auch immer ich mich bewege und wo ich gerade lande. Auch lasse ich hie und da einen Sub-Text, der Bezug auf die Strukturen  des Gebäudes und damit zusammenhängenden Zahlenwelt nimmt. Die Art der Bewegung hat eher mit Aufmerksamkeit zu tun und ist funktional und alltagstauglich. Gerade deswegen kann ich andere, zufällige Vorbeigehende (Arbeitenden, Studierenden und Besucher*innen, die im Bau unterwegs sind) miteinbeziehen und können mit ihnen Selfies entstehen.
Nichtsdestotrotz wird der Zufall das Drehbuch mitschreiben und der Intervention die ‚twists’ geben, die in Momenten den Alltag brechen.

 

Text-Skript «Rede Prolog 1 / Speeck Prologue 1» — Live-Intervention

Szenario-Skript — Live-Intervention

Minipanels — Live-Intervention