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Zur Ausstellung «SAGEN UND ZEIGEN — Schrift in der Kunst» in der Stadtgalrie Bamberg

Die Ausstellung des Kunstvereins in der Stadtgalerie Bamberg - Villa Dessauer möchte die Festivitäten von St. Michael zum Anlass nehmen, um der Frage nachzugehen, welche Rolle der Schrift bzw. dem Text in der zeitgenössischen Kunst zukommt, und in welcher Weise dabei je eine spezifische Bild- und Textlogik aktiviert wird. Die Ausstellung gewährt dazu exemplarisch Einblicke mit Werken einer Vielzahl von Künstlern, u.a. Michaela Eichwald, Jochen Flinzer, Eugen Gomringer, Michael Hakami, Albert Hien, Nanne Meyer, Dietmar Pfister, Herman de Vries'.
 
Wenn Künstler*innen in ihren Werken Sprache bzw. Schrift bildhaft werden lassen, dann erhält Schrift im Bild neben einer semantischen Bedeutungserweiterung oft auch einen autopoetischen Stellenwert. Man denke nur an die Schriftspuren Cy Twomblys oder Herman de Vries'. Sagen und Zeigen sind sehr unterschiedliche Modi, Wirklichkeit sinnvoll zu erschließen, die aber aufeinander bezogen bleiben. Die Frage nach der Schrift - einem schnell decodierbaren Zeichensystem - stellt deshalb spannenderweise auch die Frage nach dem Status des Bildhaften und Sichtbaren neu, und was es nun von einem decodierbaren Text mit Textbotschaft unterscheidet. Bildwissenschaftler wie Gottfried Böhm pochen dabei auf die Eigenlogik der Bilder, die gerade nicht durch Sprache ersetzt werden könne. Dieter Mersch spricht Bildern einen besonderen "Zeigegestus" zu und markiert damit ebenfalls einen Unterschied zwischen Bild- und Textlogik.
 
Historisch besteht das Zusammenspiel zwischen Bild und Schrift schon sehr lange, man denke etwa an mittelalterliche Handschriften und Buchmalerei. Gerade mit dem Namen unserer Stadt sind berühmte illuminierte Handschriften verbunden. Auch in der Schreibstube von St. Michael sind integrative wort-bildnerische Werke entstanden: die Abschrift der Bibeltexte zeigen die Spannweite des Dialoges zwischen Wort und Bild auf.
 
Einladungsflyer der Ausstellung
 
Symposium in der Villa Dessauer, der Universität Bamberg
 
«Die erfolgreiche Ausstellung 'Sagen und Zeigen. Schrift in der Kunst' des Kunstvereins Bamberg (noch bis 8.11, 18 Uhr in der Villa Dessauer) wird am Wochenende um ein wissenschaftliches Symposion ergänzt. Die Kunstpädagogiken der Universitäten Bamberg und Hamburg sowie die Fränkische Gesellschaft für Philosophie werden das Verhältnis zwischen Sagen und Zeigen in der Kunst diskutieren. Dr. Martin Düchs spricht am Samstag um 17 Uhr zu 'Zeichnen und Zeigen - Sehen und Erkennen', im Anschluss daran fragt Prof. Judith Siegmund von der Universität der Künste Berlin: 'Was sagt uns Kunst und kann sie überhaupt sprechen?' (18 Uhr). Am Sonntag um 10 Uhr wird der Künstler Albert Coers das Zusammenspiel von 'showing and telling. Text - Bild - und wieder zurück' vor dem Hintergrund seiner eigenen künstlerischen Praxis beleuchten. Das Performance-Duo Dorothea Rust (Freischaffende Performance-Künstlerin, Zürich) und Bernadett Settele (Kunstvermittlerin und Kunsttheoretikerin an der Hochschule Luzern) wollen in einer abschließenden Performance Sprache performativ an ihre Grenzen bringen und sich dabei von 'Texten Judith Butlers, von (tierischen und theoretischen) Fakten und Fiktionen durchschütteln lassen' und 'auf den Falten von Philosophie und Alltagslogik surfen' (Sonntag 11 Uhr). Das ganze Wochenende über verbringen Kunstpädagogikstudierende der Universitäten Hamburg und Bamberg mit Prof. Andrea Sabisch und der Kuratorin der Ausstellung, Notburga Karl, Didaktik der Kunst Bamberg, in der Villa Dessauer inmitten der Kunstwerke. In einem Workshop setzen sie sich schreibend, zeichnend, diskutierend mit den Werken und deren Fragen auseinander.»
 
Einladungsflyer zum Symposium und zur Finnisage