Alles wird gut

47° 9' / 8° 32'


Sieben Aktionen mit Handlungs- und Bewegungssequenzen lasse ich einzeln an einem schönen Apriltag in der Landschaft auf dem Zugerberg filmen. Den Ort kann man vom Spital Baar aus sehen. Aus dem dreistündigen Filmmaterial werden Videostills ‹destilliert› und in verschiedenen Formaten auf Leinwand gedruckt. Zusammen ergeben die einzelnen Bilder den Ablauf einer Performance als Bilderfolge, die auf den monumentalen Wänden des Kantonsspitals im Treppenhaus und in den Gängen über fünf Geschosse verteilt neu inszeniert wird.

Ich ersteige mit Hilfe einer alten Holzleiter einen blühenden Kirschbaum. Aus seiner Krone werfe ich Zettel himmelwärts, auf die in fast dreissig Sprachen, von Deutsch über Serbokroatisch bis Urdu, die Botschaft «Alles wird gut» geschrieben steht. Die Sprachen korrespondieren mit den Herkunftsorten des Personals des Zuger Kantonsspitals. In einer anderen Aktion schiebe ich ein Beistelltischchen über Hügel, Wege, Acker und Wiesen, auch Steine und Äpfel werden so holpernd transportiert. Auf einem Hügel schwinge ich mit den Händen an einem Seil einen schweren Stein. Mitten auf einer Wiese tanze ich in wilden und kreisenden Bewegungen mit Äpfeln, die um meinen Hals und über meine Schultern hängen. Die vom Baum hinab gewehten «Alles wird gut»-Botschaften werden am Waldrand ein- oder ausgegraben? Die Kantonsstrasse nach Allenwinden befahre ich bäuchlings auf einem Rollhund – ein anstrengendes Vorwärtskommen, bei dem ich mich mit beiden Händen jeweils abstosse. In einer anderen Sequenz lasse ich mich von einer tanzenden Gartenstechgabel über die Kantonsstrasse navigieren.

Die Handlungen könnten an symbolische und rituelle Praktiken erinnern. Die Medizin war im Altertum mit Religion verbunden, sie hatte etwas mit Glauben, Botschaft und der Kraft von Bildern zu tun. Meine Arbeit handelt vom prekären Umgang mit der Schwerkraft, der alle Lebewesen täglich ausgesetzt sind. Die existenzielle Komponente von Dingen und des Sein werden durch das Bewegen von Material und Körper sichtbar. In den präzise angelegten fragmentarischen Aktionen geht es um das Abheben, Vorwärtskommen und Verschieben, um das Herumtragen bei gleichzeitiger Behinderung, um Divergierendes beim Handhaben von Instrumenten und Material, um die Stimmung des Frühlings und den Aufbruch, wie ihn ein blühender Kirschbaum vermittelt, um Naturhaftes, das unseren Körpern auch ‹anhaftet›, um Bilder von Leichtigkeit, Kraft und Zuversicht, in denen ebenso Brüche und eine Portion Unbehagen mitschwingen.